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14.3  Geschichte des Rastpfuhls im 20. Jahrhundert bis 1945

Zeit bis zum 1. Weltkrieg
Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich die Bebauung entlang der Lebacher Straße und in den Seitenstraßen fort wie insbesondere in der heutigen Hochwaldstraße, der Ahrstraße und der Lahnstraße. In den Jahren 1900 bis 1901 entstand das Rastpfuhl-Krankenhaus.
Obwohl bei den im 19. Jahrhundert gegründeten Ziegeleien eine Rückentwicklung zu verzeichnen war, blieb der Rastpfuhl insbesondere durch die Eröffnung der Chemischen Fabrik für Asphalt- u. Teerprodukte von Ernst Hugo Sarg im Jahr 1907 ein wichtiger Industriestandort.
Im Jahr 1907 wurde die Straßenbahnlinie über die Lebacher Straße nach Riegelsberg in Betrieb genommen.

1. Weltkrieg
Der 1. Weltkrieg hat sich auf den Rastpfuhl wie auf ganz Saarbrücken "nur" durch Tod und Verletzung von beheimateten Soldaten und durch Entbehrungen der Zivilbevölkerung bemerkbar gemacht. Bei einem der zahlreichen Luftangriffe wurde das Rastpfuhl-Krankenhaus leicht beschädigt, s. Kap. 13.3.1

Zeit bis zum 2. Weltkrieg
In die Zeit bis zum 2. Weltkrieg fällt der Bau der Kirche und des Klosters St. Antonius (ab 1920).
Von 1929 bis nur 1932 war der Pasteurschacht in Betrieb, der aber erst in den 1960er-Jahren vollständig eingeebnet wurde.
Ab 1935 erfolgte nach Rodung des Waldes der Bau der Waldsiedlung nördlich der heutigen Moselstraße und nördlich und im Ostteil auch an der Rußhütter Straße. Damit begann zusätzlich zu der weiter fortgeführten und geplanten Wohnbebauung südlich der heutigen Mosel und Rußhütter Straße die endgültige Wandlung des Rastpfuhls vom Industriestandort zum Wohngebiet. Näheres zur städtebaulichen Entwicklung s. Kapitel 10.

2. Weltkrieg
Da die Stadt Saarbrücken in der "Roten Zone", einem 10 km breiten Streifen entlang der deutsch-französischen Grenzen lag, mussten mit Beginn des 2. Weltkriegs auch die Bewohner des Rastpfuhls ihre Wohnstätten verlassen. Die Evakuierung begann für die "Nicht-Marschfähigen" bereits am 1. September 1939, für die anderen am 3. September. Die Betroffenen durften nur maximal 15 kg Gepäck mitnehmen und wurden mit Bussen, Lkw oder Eisenbahn in das sogenannte Bergungsgebiet gebracht. Für die Saarbrücker war dies hauptsächlich die Gegend um Kassel und Thüringen. Nach dem Sieg über Frankreich im Sommer 1940 durften die Bewohner in die "Rote Zone" zurückkehren.
Nach der Landung der Alliierten in der Normandie und der infolgedessen immer näher rückenden Front sowie auf Grund der Zunahme von Bombenangriffen mussten die Saarländer Ende 1944 Ihre Heimat erneut verlassen. Für das linke Saarufer und für die Stadt Saarbrücken ordnete Gauleiter Stöhr am 30. November 1944 die Zwangsräumung an. 
In den Jahren 1942 bis 1945 erlebte Saarbrücken 30 Luftangriffe. Soweit sich aus den teils widersprüchlichen Daten, die nur für den gesamten Stadtteil Malstatt vorliegen, und den Beschreibungen ermitteln lässt, war der Rastpfuhl wie folgt betroffen:
In den Jahren 1944/45 wurden von Jugendlichen von Hand im sogenannten Schanzeinsatz quer über den Rastpfuhl in West-Ost-Richtung Panzergräben als Hindernisse für feindliche Panzer ausgehoben, s.a. Kap. 12.5. Die Gräben hatten eine Tiefe von 2–3 m und steile Böschungen. Im Jahr 1953 wurden diese wieder verfüllt.
Im Dezember 1944 musste der Straßenbahnverkehr nach Heusweiler bis auf den Abschnitt Stadtgrenze-Riegelsberg eingestellt werden.
In den letzten Kriegsmonaten wurden mit der näher rückenden Front die Luftangriffe mehr und mehr durch Artilleriefeuer ersetzt. Am Morgen des 19. März 1945 rollten von Norden her über den Rastpfuhl die ersten US-amerikanischen Panzer in die Stadt. Der weitgehend kampflose Einmarsch war am 21. März 1945 abgeschlossen.

Bombentrichter 2. WK
Bild 14.7: Bombentrichter aus dem 2. Weltkrieg im Wald zwischen der Weg zur Nauwies und dem Dörrbrücherbach



Quellen:
  1. Zeittafel zur Geschichte des Saargebietes vom 1. Juli 1926 bis 1. Juli 1927. In: Saarkalender für das Jahr 1928 (6)
  2. Der Luftkrieg gegen das Saargebiet. In: Saarkalender für das Jahr 1927 (5)
  3. Herrmann, Hans-Walter: Saarbrücken unter NS-Herrschaft. In:  Wittenbrock, Rolf: Geschichte der Stadt Saarbrücken. SDV Saarländische Druckerei und Verlag, Saarbrücken 1999, ISBN 978-3-930843-41-1, Band 2: Von der Zeit des stürmischen Wachstums bis zur Gegenwart
  4. Eckel, Werner: Luftkrieg in Saarbrücken 1939-1945. SDV Saarländische Druckerei und Verlag, 1985, ISBN-13: 978-3925036002
  5. Müller, Helmut: Die Auswirkungen der Bombennacht vom 05.10.1944. In: Der Rastpfuhl - Geschichte eines Siedlungsgebietes und seiner Bewohner. Herausgeber: Deutscher Siedlerbund Landesverband Saarland e.V., Siedlergemeinschaft Saarbrücken-Rastpfuhl e.V., Volkshochschule Stadtverband Saarbrücken. November 1999
  6. 8th Air Force History Society,  online
  7. Kriegschronik der Fernmeldeabteilung der Reichspostdirektion Saarbrücken vom 01. März 1943 bis zum Kriegsende 1945 von Abteilungspräsident a.D. Dipl.-Ing. Horst Winkler, Neustadt an der Weinstraße, 1968. Online auf den Internet-Seiten von Sebastian Scheidt ("Deutsche-Bundespost.de")
  8. Kasten, Brigitte (Hrsg.): Historische Blicke auf das Land an der Saar : 60 Jahre Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung. Eigenverlag, Saarbrücken, 2012, ISBN: 978-3-939150-06-0
  9. Karte "Dokumentation von Kriegsereignissen 1939 - 1945", Messtischblatt 6707, Saarbrücken.
    Herausgeber: Saarland – Der Minister des Inneren, Bearbeitung und Redaktion: MinRat Wilh. Klein, Ausgabe 1985
  10. Schreiben "Fliegerschäden beim Angriff am 27.5.1944" v.  2. Juni 1944 des Oberbürgermeisters als Leiter der Sofortmaßnahmen an Stadtamt 60 (StA SB, Sign. V 60 – 51 (II): Allgemeiner Schriftverkehr 1947 – 1954)
  11. Schreiben "Fliegerschäden beim Angriff am 28.6.1944" v.  3. Juli 1944 des Oberbürgermeisters als Leiter der Sofortmaßnahmen an Stadtamt 60, Herrn Amtsrat Riemann (StA SB, Sign. V 60 – 51 (II): Allgemeiner Schriftverkehr 1947 – 1954)

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